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„Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?“ (Auszug aus meinem ersten Rundbrief.)

Autor: SophieLessing | Datum: 13 März 2016, 17:04 | 0 Kommentare

In Deutschland habe ich zu Letzt immer weniger Sachen zum „ersten Mal“ gemacht, aber durch meine Ankunft in Ruanda ist erst einmal alles wieder Neuland für mich geworden und ich war erst einmal wieder ein kleines Kind, dass zum ersten Mal versucht, alleine Bus zu fahren oder alleine einkaufen zu gehen und auf einer Sprache zu verhandeln, die ich noch lernen muss. Aber eins nach dem anderen. Zuerst musste ich, dass erste Mal Tschüss zu all meinen Lieben sagen für einen längeren Zeitraum. Erst als ich am Flughafen stand, wurde es für mich real, dass ich jetzt meine Familie und Freunde erst einmal 10 Monate lang nicht sehen werde. Es war nicht der leichteste Abschied, aber die Vorfreude endlich loszukommen, um mein Freiwilligenjahr zu beginnen, war enorm.

In Cyakabiri habe ich zum ersten Mal eine eigene Wohnung. Die Freiheiten, die damit verbunden sind, genieße ich sehr, aber an dem ordentlich halten, könnte noch gearbeitet werden. Hier kommen meist die Gäste einfach spontan vorbei um gemeinsam einen Tee zu trinken, daher versuche ich immer mein Wohnzimmer vorzeigbar zu halten.

Auch so alltägliche Dinge wie Essen einkaufen zu gehen, musste ich erst einmal lernen. Es gibt zwar einen Supermarkt, der circa 15 Minuten von mir entfernt mit dem Bus zu erreichen ist in Muhanga, aber dort kann man kein Obst oder Gemüse einkaufen. Diese Dinge kauft man auf dem Markt ein. In Cyakabiri gibt es zwei Mal die Woche einen Markt, den ich besuche. Wenn dies nicht ausreicht, gibt es auch in Muhanga einen Markt, der jeden Tag der Woche auf hat oder bei mir in der Nähe gibt es auch zahlreiche kleinere Läden, die gut mit Lebensmitteln ausgestattet sind. Auf dem Markt läuft alles auf Kinyarwanda, das war für mich am Anfang eine echte Herausforderung, aber mittlerweile klappt es ganz gut. Ich weiß nun, dass ein Haufen Karotten 100 Ruandan Francs kostet (ca. 830 Francs entsprechen einen Euro) oder dass ich eine Ananas für 300 Francs kriege.

Eine andere Herausforderung war es auch das erste Mal Bus zu fahren, da es keine eindeutig markierten Haltestellen gibt, wo man ein und aussteigen kann. Um den Busfahrer bemerkbar zu machen, dass man raus will, wird einfach an die Fensterscheibe geklopft. Aber dann abschätzen zu können, ob man schon nah genug am Ziel ist, muss man auch erst einmal wissen.

Ein weiteres „erstes Mal“ war es auch Kleidung zum Auftrag einem Schneider zu geben. Eine Vorfreiwillige von einer anderen Organisation, hatte uns den Tipp gegeben, die Gefängisschneiderei zu benutzen. Und jedem der nach Muhanga kommt, kann ich diese auch nur weiter empfehlen. Man muss, bevor man zur Schneiderei geht, erst sich auf dem Markt Stoff kaufen und dann damit wieder hingehen und erklären oder aufzeichnen, was man gerne hätte. Nach ein bis zwei Wochen ist es dann fertig und man kann es abholen. Nach meiner Rückkehr wird, denke ich, mein Kleiderschrank aus vielen geschneiderten Sachen bestehen.

Auch die langen Gottesdienste von drei ein halb Stunden bis zu sieben Stunden waren für mich zunächst sehr ungewohnt. Ich habe mich zuerst gefragt, was kann denn bitte alles in einem Gottesdienst passieren, dass er so lange dauert? Aber da meistens vier Chöre auftreten und die Predigt gut auch mal 45 Minuten lang sein kann, vergeht die Zeit wie im Flug. Besonders das gemeinsame Singen in der Kirche ist sehr schön, da die Kirche meistens sehr gut gefüllt ist (durchschnittlich sind immer mindestens 70 Menschen anwesend) und wenn dann alle gemeinsam singen, es einfach Spaß macht, Teil davon zu sein. Auch, dass es in den Abendmahlen Ananassaft gibt, da die Diözese eine eigene Juice Factory hat, war für mich auch zunächst etwas ungewohnt und ein „erstes Mal“, aber da dadurch die lokalen Farmer unterstützt werden, finde ich ist es ein sehr gelungenes Konzept.

Was für mich mit das bedeutendste „erste Mal“ ist, ist auf einmal Lehrerin zu sein, ohne jegliche Erfahrung. Direkt am dritten Tag nach meiner Ankunft war ich für eine Gruppe verantwortlich, die sich regelmäßig in den Ferien trifft. Es waren zwar nur zwei Stunden und ich hatte einen Übersetzter dabei, der mir auch gut weiter helfen konnte, aber meine Aufregung war doch enorm. Doch es hat eigentlich ganz gut geklappt und mir sogar etwas Spaß gemacht. Zwar wird es nicht mein neuer Berufswunsch werden Lehrerin zu sein, aber ein Jahr lang mal als Lehrassistentin auszuprobieren wird denke ich, sehr spannend.

Ab dem zweiten Februar fängt die Schule richtig an, aber dann werde ich in einer Klasse immer mit einem Lehrer oder einer Lehrerin zusammen arbeiten.

Ich hoffe es geht euch allen gut und ihr erlebt vielleicht demnächst auch einmal wieder ein „erstes Mal“, was eine wunderschöne Erfahrung ist.

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